1 Bundestagswahl: Wahl der Verarmenden

ÜBER DIE VERDROSSENHEIT ZU WÄHLEN

 

Politiker! Fast ist es geschimpft – ihre Arbeit, die tun sie nicht, reden bloß, sie lügen, stopfen sich die Taschen voll! So sagen es viele; und doch, sie sind nur welche von uns: Verarmende.

 

Kompliziert wird es das Leben, verworren; hilflos wirken wir ohne Computer. So haben wir all das geschaffen und wir passen uns ein. Schleichend denken wir in Systemen und wir handeln auch so: eine Armee von Strategen. Und der wills nur gelingen, soweit als verstellte Blicke sie führen, durch den Wust von Daten. Und Apparatschik muss werden, wer Macht bei sich gesellt.

 

Segmentierte Häppchen, darum gehts oft, technisch berechnet, hilflos bezogen auf sich selbst. Nicht mehr Leben zu schöpfen ist es worum`s geht, mit ehrlicher Haut. Da steht kein Mensch mehr, ganz und wahrhaftig, mit Ecken und Kanten; da steht der „Prozessbevollmächtigte des Teilsystems“. Dem Menschen, dem hätt ich geglaubt!

 

Tiefe Seele dringt nicht mehr vor in dieser Welt; und wenn, ist sie zerfasert, zwischen Millionen von Daten, zwischen Zweckbindung verschachtelt, überblendet von eitlem Getue, auf Hochglanz poliert. Da ist kaum tiefer Grund noch zu finden und kaum ruhige Ordnung; die Wissen ausblühen, mit Schöpfung beeindrucken; die große Menschen einfach nur dastehn lassen, und die für Leben stehen. Wir verarmen: von innen her und nach außen hin. ◄

 

 

© Copyright Thomas Ortmanns