3 Lampedusa-Flucht: Zu viel von allem

ÜBER DIE UNFÄHIGKEIT DIE HÄNDE ZU REICHEN  

 

Menschenmassen strömen und sie drängeln, kaum noch ist genug für alle da, auf unserer einen Welt; wir benutzen wirklich alles, wirklich jeden Winkel. Und wem es schlecht geht, der presst nach oben, und Grenzen werden engmaschiger gezogen.  

 

Kein Land kann das allein noch alles lösen; zu viel, zu eng, zu schlecht zu durchschauen. Doch sie täten deshalb gut, sich die Hände mehr zu reichen. Sicher, Kleingeist und Egoismus haben ihre Hand im Spiel, eine andere Geschichte. Doch da ist noch ein Grund:


Zu viel Kontakt, Verbindung, verschiedenes Sein, kurz: zu viel von allem; das lässt überfordern, und es lässt sich schlecht berechnen. Menschen bilden Gruppen, gründen Systeme, für mehr Ordnung, für mehr Durchblick. Dann lassen sie zwischen ihren Köpfen Taktiken regieren; und, in all dem Wirrwarr — ihr Bauch und ihre Seele machen lange nicht mehr mit.
Verkopftes Sein, kein fühlbares Angesicht, das lässt kaum Vertrauen wachsen. Nur die eine Seele kann die andere fühlen, kann sie schätzen, kann vertrauen. Die Seele fühlt die Seele: Nur berühren musst du sie dazu. ◄

 

 

© Copyright Thomas Ortmanns