2 Bischhof Tebartz-van Elst: Unterworfen!

ÜBER GOTT UND UNSERE UNTERWERFUNGEN

 

Da kniet jemand, Gesicht und Hände hoch gerichtet. Er hat sich aufgeschwungen, von seiner Fleisch gewordenen Bürde Gott entgegen. Aus seinen Zwiegesprächen weiß er, Bestimmtes hat er gewollt, und die Irdischen empfangen die Gnade ihm zu folgen. Gespäch mit einer höheren Wesenheit hatten schon Millionen, seit Anbeginn des Menschseins. Das bricht den Alltag auf mit seinen Zwängen, bietet Ausweg, Klärung, Sinn. Birgt das Gespräch doch Unumstößliches und ganz direkt, so wird der Alltag sogar bestimmt — ohne Grund für einen Widerspruch! Andre Überzeugungen machen nichts mehr her dann und werden unterworfen.


Göttlich beseelt sind gigantische Kirchen entstanden, mit der Wahrheit im Gepäck. Immer wieder drohen sie sich zu überheben an alltäglichen Problemen, am gesellschaftlichen Leben. Und wen wunderts da, wenn jemand daraus die Balance verliert und als Beseelter Maße sprengt, und er nur noch bestimmt, was nach seinem Bilde wahrhaft richtig ist.


Und dann ist da ein Bischhof, der sich abwendet von Menschen andrer Coleur: mit andrer Geschlechtlichkeit, gescheiterter Ehe, ohne Trauschein, von Moslems, Andersdenkenden in seinem Kirchenstaat; und der dann zuguterletzt jeden finanziellen Maßstab über Bord geworfen hat, als wolle er dem Sonnenkönig selbst ein Schnippchen schlagen. ◄

 

 

© Copyright Thomas Ortmanns